Seine Excellenz Eugène Rougon - Chronik

Seine Excellenz Eugène Rougon · Chronik der Ereignisse
Erstes Kapitel Mai 1856 · Palais Bourbon, Paris
Die gesetzgebende Versammlung tagt an einem regnerischen Mainachmittag. Die Abgeordneten dösen vor sich hin, während Gerüchte über Rougons Zukunft die Runde machen. Der Kredit für die Taufe des kaiserlichen Prinzen wird bewilligt. Am Ende wird die Gewissheit zur Katastrophe: Rougon hat dem Kaiser seinen Rücktritt eingereicht, und dieser hat ihn angenommen. Seine Freunde stehen fassungslos da – ihre Hoffnungen auf Ämter und Protektion sind zerstört.
Zweites Kapitel Mai 1856 · Staatsrat, Palais Bourbon, Paris
Am Morgen nach seiner Entlassung räumt Rougon im Staatsrat seinen Schreibtisch und vernichtet systematisch alle belastenden Papiere. Ein Strom von Besuchern – Kahn, Du Poizat, der Oberst, die Charbonnels, Frau Correur – drängt auf ihn ein, jeder mit eigenen Bitten. Rougon reagiert spöttisch, spielt den Ruhesuchenden, doch seine Worte lassen keinen Zweifel: Er wartet auf seine Rückkehr. Clorinde erscheint zu Pferd und erwartet ihn unten – die Kämpfe beginnen von neuem.
Drittes Kapitel Mai 1856 · Haus der Balbi, Allee der Elyseischen Felder, Paris
Rougon besucht Clorinde Balbi in ihrem exzentrischen Haus. Sie posiert halbnackt als Diana für den Maler Pozzo, umgeben von einer bunt gemischten Gesellschaft. Die Begegnung wird zum Machtspiel: Clorinde verhört Rougon über seine Freunde und Gegner, während sie ihre Verführungskünste spielen lässt. Rougon verrät ihr mehr, als er beabsichtigt. Die Szene endet intim im Dunkeln, doch Clorinde entschlüpft ihm. Auf der Straße sagt Rougon zu sich selbst: »Nein, das wäre zu dumm!«
Viertes Kapitel 14. Juni 1856 · Arcolebrücke, Liebfrauenkirche, Paris
Paris feiert die Taufe des kaiserlichen Prinzen mit einem prächtigen Taufzug. Gilquin führt die Charbonnels durch das Gedränge und prahlt mit seiner angeblichen Rolle bei Rougons Aufstieg. Frau Correur, Du Poizat und der Oberst verfolgen die Zeremonie. Clorinde fängt Rougon in ihrem Wagen ab. Während das Kaiserreich in vollem Glanz erstrahlt, stehen Rougon und seine Anhänger am Rand – sie haben nichts von den versprochenen Ämtern erhalten.
Fünftes Kapitel Juli 1856 – Februar 1857 · Marbeufstraße, Haus der Balbi, Paris
Clorinde sucht Rougon auf – in Amazonentracht, mit einem Verkaufsangebot für Wohltätigkeitslose. Rougon versucht sie zu verführen, sie wehrt sich mit der Reitpeitsche und stellt eine Bedingung: Heirat. Rougon weigert sich und verheiratet sie stattdessen mit Delestang. Clorinde willigt ein – aus eigenem Kalkül. Das Kapitel endet mit Clorindes Hochzeit mit Delestang und Rougons Verlobung mit Fräulein Beulin d'Orchère. Die Ehe wird zur politischen Waffe.
Sechstes Kapitel Sommer 1856 – Oktober 1857 · Marbeufstraße, Kolosseumstraße, Paris
Rougon führt ein ruhiges, bürgerliches Leben, doch hinter der Fassade wächst seine Ungeduld. Die donnerstäglichen Abendgesellschaften werden zum Schauplatz politischer Intrigen. Clorinde, nun Schülerin, beobachtet ihn wachsam. Als Rougon mit dem Plan hervortritt, in den Landes ein landwirtschaftliches Reich zu gründen, schlägt sie Alarm. Eine Einladung des Kaisers nach Compiègne wird zum Wendepunkt: Der Weg zurück in die Macht ist geöffnet.
Siebentes Kapitel Oktober 1857 · Schloss Compiègne, Oise
Rougon reist nach Compiègne – auf Einladung des Kaisers. Clorinde inszeniert ein gefährliches Spiel: Sie flirtet mit Marsy, um die eifersüchtige Frau von Llorentz zur Raserei zu treiben, damit diese die kompromittierenden Briefe beim Kaiser hinterlegt. Der Kaiser nimmt Rougon beiseite und erklärt: »Sie müssen in Paris bleiben, Herr Rougon!« – ein Signal, dass er zurück in die Politik geholt wird. Clorinde triumphiert – sie hat Rougon überlistet.
Achtes Kapitel November 1857 – Januar 1858 · Paris
Die Freunde betreiben eine groß angelegte Propagandakampagne für Rougons Rückkehr. Gilquin bringt die Nachricht von einem geplanten Attentat auf den Kaiser – Rougon tut nichts, lässt die Bombe platzen. Am 14. Januar 1858 explodieren drei Bomben vor der Oper, der Kaiser bleibt unverletzt. Rougon wird zehn Tage später zum Innenminister ernannt – das Attentat wird zum Vehikel seiner Rückkehr.
Neuntes Kapitel März 1858 · Innenministerium, Paris
Rougon ist Innenminister und genießt seine Macht. Er verteilt Ämter, Orden und Gunstbeweise an seine Gefolgsleute. Die gesamte Verwaltung wird zur Klientelwirtschaft. Er verordnet zwölf Verhaftungen von Republikanern im Departement Somme – ein Zeichen der Unterdrückung. Clorinde erscheint zum Frühstück, fordert eine Beförderung für Delestang und weist Rougon ab. Ihre Rache ist vollkommen.
Zehntes Kapitel März – April 1858 · Niort, Deux-Sèvres
Rougon reist nach Niort, um beim ersten Spatenstich für die Eisenbahnlinie Niort–Angers die erste Mine zu zünden – eine demonstrative Geste der Macht. Er tritt volksnah auf, hält eine glänzende Rede. Frau Correur bittet um Gnade für ihren Bruder Martineau, einen republikanischen Notar – Rougon lässt ihn verhaften. Martineau stirbt noch am selben Abend an einem Schlaganfall. Der Ball in der Präfektur geht weiter.
Elftes Kapitel Mai 1858 · Saint-Cloud · Schloss · Ministerrat
Rougon fährt mit Delestang und Clorinde nach Saint-Cloud zum Ministerrat. Die Sitzung dreht sich um den neuen Adel, die Pressefreiheit und ein umstrittenes Buch. Delestang widerspricht Rougon öffentlich – selbst seine engsten Vertrauten werden abtrünnig. Der Kaiser nimmt Rougon beiseite und fordert ihn auf, seine Freunde fallen zu lassen. Rougon weigert sich: »Sie stützen mich!« – doch seine Position bröckelt.
Zwölftes Kapitel Mai – Juni 1858 · Kolosseumstraße, Paris
Clorinde ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Ihre Donnerstagabende werden zum Gegenentwurf zu Rougons Salon – hier wird der Minister offen kritisiert, seine Freunde sind bereit, ihn fallen zu lassen. Der Klosterskandal: Rougon lässt auf Betreiben der Charbonnels ein Kloster durchsuchen – ein Skandal, der die frommen Kreise, die Kaiserin und den Senat gegen ihn aufbringt. Clorinde triumphiert: »Er ist geliefert!«
Dreizehntes Kapitel Sommer 1858 · Tuilerien · Marbeufstraße, Paris
Der Klosterskandal hat Rougon endgültig isoliert. Die Charbonnels distanzieren sich, die d'Escorailles fordern die Entlassung ihres Sohnes. Rougon reicht sein Entlassungsgesuch ein – der Kaiser nimmt es an. Auf dem Wohltätigkeitsbazar in den Tuilerien erfährt Rougon die Nachricht. Clorinde triumphiert: Delestang wird sein Nachfolger. Rougon verlässt den Bazar, geht durch den Regen nach Hause – gestürzt, aber nicht gebrochen.
Vierzehntes Kapitel März 1860 · Palais Bourbon, Paris
Drei Jahre später: Rougon steht als Minister ohne Portefeuille auf der Rednertribüne – als Verteidiger des "liberalen Kaiserreichs". Er hält eine glänzende Rede, in der er sich vom ehemaligen Minister der Unterdrückung zum Anwalt der Freiheit wandelt. Seine Vergangenheit verleugnet er nicht, aber er spricht jetzt von Freiheit, Pressefreiheit und Parlamentarismus. Clorinde tritt auf ihn zu: »Sie sind doch ein gewaltiger Mann!« – Rougon hat seinen Kampf zurück in die Macht gewonnen.

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