📖 Über dieses Buch · Die Eroberung von Plassans · von Emile Zola
Veröffentlicht 1874 und der vierte Teil des zwanzigbändigen Rougon-Macquart-Zyklus
Deutsche Übersetzung: Benjamin Harz Verlag | Jahr: 1923 | Übersetzer: Armin Schwarz
Zeit und Ort: 1858 - 1864, Plassans (fiktive Stadt in Südostfrankreich. Es geht um die politischen Machenschaften der katholischen Kirche und des Zweiten Kaiserreichs gegen die unzufriedenen ländlichen Provinzen.
Schlüsselthemen: Die schleichende, zerstörerische Machtübernahme einer Stadt durch die Kirche im Auftrag des bonapartistischen Staates, politische Manipulation, religiöser Fanatismus.
Hauptpersonen: François Mouret (Das Familienoberhaupt, ein schwacher Charakter ohne Durchsetzungsvermögen); Marthe Mouret (geb. Rougon, die Ehefrau von François, leidet an einer Geistenskrankheit und verfällt während des Romans einem religiösen Wahn); Abbé Ovide Faujas (Der zentrale Antagonist des Romans, ein Geistlicher, der als geheimer Agent der Regierung Napoleons III. nach Plassans geschickt wird, um die Stadt für das Kaiserreich zu gewinnen); Frau Faujas (Die Mutter des Abbé, zieht zusammen mit ihrem Sohn bei den Mourets ein); Olympe Trouche (Die Schwester von Abbé Faujas); Trouche (Der Schwager des Abbé)
Handlungsbogen: Abbé Ovide Faujas kommt als Untermieter bei der Familie Mouret an. Er soll als Agent der bonapartistischen Regierung Napoleons III. die Stadt für das Kaiserreich zurückgewinnen. Er nutzt Intrigen und Verleumdung, um Einfluss zu gewinnen. Sein Machtspiel zerstört das Leben der Familie Mouret: Die Hausherrin Marthe verfällt einem religiösen Wahn, und ihr Ehemann François wird unschuldig in eine Irrenanstalt eingewiesen.
Zusammenfassung
Das Kapitel zeigt den endgültigen Zerfall der Familie Mouret: Serge, der schwache und fromme Sohn, entscheidet sich – unter dem Einfluss des Abbé Faujas – für den Priesterberuf, während Mouret vereinsamt und sein Haus Stück für Stück an die Eindringlinge verliert. Serge, ein zarter, kränklicher und ernster junger Mann, verbringt viel Zeit mit dem Abbé Faujas, der ihn im Botanisieren unterrichtet und zum Schachspiel anleitet. Mouret, der seinen Sohn eigentlich nach Paris schicken will, sieht mit wachsender Wut, wie der Priester den Jungen für sich einnimmt. Als Serge nach einer schweren Erkrankung – die Mouret sich selbst vorwirft, weil er den Sohn im Regen hatte ausgehen lassen – genesend im Bett liegt, gesteht er seinem Vater unter Tränen, dass er Priester werden möchte. Mouret ist erschüttert, stimmt aber schließlich resigniert zu; er reist für einige Tage nach Marseille, kehrt aber gebrochen und gealtert zurück. Von nun an zieht sich Mouret immer mehr zurück. Er schweigt, meidet den Abbé, wird von Rosa wegen seiner "Gottlosigkeit" angegriffen und verbringt seine Tage damit, im Garten mit der zurückgebliebenen Desirée zu spielen – ein Bild der Verlorenheit.
Sein Haus, einst sein stolzer Rückzugsort, ist ihm entfremdet. Der Abbé Faujas hingegen festigt seine gesellschaftliche Stellung. Er kleidet sich nun vornehm, wird von den Damen verehrt und hat den Jugendklub fest im Griff. Die Sackgasse Chevillottes wird zu einem neutralen Treffpunkt, durch den die Nachbarn aus den verfeindeten Lagern in den Garten der Mourets eindringen – der Abbé empfängt dort die Honoratioren, während Mouret nur noch zusieht. Auch die Trouches gewinnen an Raum: Sie setzen sich gegen den Abbé durch, der sie bisher eingesperrt hielt, und erpressen ihm mehr Freiheit ab. Olympia beklagt sich über ihr Zimmer, und Martha überlässt ihnen schließlich das freigewordene Zimmer des Serge – ein weiteres Zeichen, wie das Haus Stück für Stück an die Eindringlinge abgegeben wird. Mouret, der eines Abends überrascht die Trouches in diesem Zimmer antrifft, kann nur schweigend zurücktreten – sein Reich ist endgültig verloren.
Notizen
„Mouret kann nur schweigend zurücktreten – sein Reich ist endgültig verloren.“
🔹 Schlüsselmotiv: Der endgültige Verlust des Hauses und der väterlichen Autorität 🔹 Symbol: Das Zimmer des Serge – der letzte Raum, der an die Eindringlinge abgegeben wird
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