Die Eroberung von Plassans - Kapitel 18

Deep Reading · Die Eroberung von Plassans · 19. Kapitel

📖 Über dieses Buch · Die Eroberung von Plassans · von Emile Zola

Veröffentlicht 1874 und der vierte Teil des zwanzigbändigen Rougon-Macquart-Zyklus

Deutsche Übersetzung: Benjamin Harz Verlag | Jahr: 1923 | Übersetzer: Armin Schwarz

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Zeit und Ort: 1858 - 1864, Plassans (fiktive Stadt in Südostfrankreich). Es geht um die politischen Machenschaften der katholischen Kirche und des Zweiten Kaiserreichs gegen die unzufriedenen ländlichen Provinzen.

Schlüsselthemen: Die schleichende, zerstörerische Machtübernahme einer Stadt durch die Kirche im Auftrag des bonapartistischen Staates, politische Manipulation, religiöser Fanatismus.

Hauptpersonen: François Mouret (Das Familienoberhaupt, ein schwacher Charakter ohne Durchsetzungsvermögen); Marthe Mouret (geb. Rougon, die Ehefrau von François, leidet an einer Geisteskrankheit und verfällt während des Romans einem religiösen Wahn); Abbé Ovide Faujas (Der zentrale Antagonist des Romans, ein Geistlicher, der als geheimer Agent der Regierung Napoleons III. nach Plassans geschickt wird, um die Stadt für das Kaiserreich zu gewinnen); Frau Faujas (Die Mutter des Abbé, zieht zusammen mit ihrem Sohn bei den Mourets ein); Olympe Trouche (Die Schwester von Abbé Faujas); Trouche (Der Schwager des Abbé)

Handlungsbogen: Abbé Ovide Faujas kommt als Untermieter bei der Familie Mouret an. Er soll als Agent der bonapartistischen Regierung Napoleons III. die Stadt für das Kaiserreich zurückgewinnen. Er nutzt Intrigen und Verleumdung, um Einfluss zu gewinnen. Sein Machtspiel zerstört das Leben der Familie Mouret: Die Hausherrin Marthe verfällt einem religiösen Wahn, und ihr Ehemann François wird unschuldig in eine Irrenanstalt eingewiesen.

Achtzehntes Kapitel
📅 Sommer 1863 📍 Plassans · Provence-Alpes-Côte d'Azur · Südfrankreich

Zusammenfassung

Das Kapitel schildert den endgültigen Triumph der Intrige: Mouret wird von der gesamten Stadt als wahnsinnig gebrandmarkt, öffentlich gedemütigt und schließlich auf Betreiben seiner Frau, der Rougons, der Faujas und der Trouches in die Irrenanstalt von Tulettes eingeliefert – während Martha sich willenlos dem Abbé Faujas unterwirft. Mouret, der an einem Sonntag seinen gewohnten Spaziergang durch die Stadt macht, wird plötzlich zum Gegenstand öffentlicher Verhöhnung. Die Marktfrauen, die Gassenjungen, die Rentner auf der Promenade – alle starren ihn an, lachen über ihn, rufen ihm Spott nach. Er versteht nicht, was geschieht, fühlt sich verfolgt, stolpert und fällt, worauf ihm ein Junge eine faule Orange ins Gesicht wirft. Die ganze Stadt ist überzeugt, dass er verrückt und gefährlich ist. Die Gerüchte über seine angebliche Gewalttätigkeit und seinen Wahnsinn werden von Rosa, Olympia und Frau Rougon systematisch ausgeschmückt. Olympia erzählt auf dem Markt, Mouret habe seine Frau mit einem Rasiermesser bedroht. Frau Rougon besucht alle einflussreichen Persönlichkeiten und fordert Schutz für ihre Tochter. Die Nachbarn – die Rastoils, der Unterpräfekt, der Doktor Porquier – belauern Mouret in seinem Garten bei Nacht und deuten sein harmloses Salatgärtnern als wahnsinnige Handlung. Doktor Porquier liefert schließlich ein ärztliches Gutachten über Mourets "lichten Wahnsinn", das Trouche heimlich an sich bringt.

Die nächtlichen Szenen wiederholen sich: Martha verletzt sich selbst, Mouret steht ohnmächtig daneben, die Frauen stürzen herbei und beschuldigen ihn. Beim letzten Anfall findet man Martha mit einer klaffenden Wunde an der Stirn – Mouret wird von Rosa in sein Zimmer geschleppt. Drei Ärzte kommen, stellen seinen "Geisteszustand" fest, und Mouret wird in einem Wagen nach Tulettes gebracht – in dasselbe Irrenhaus, in dem bereits seine Großmutter eingesperrt ist. Martha, die krank daniederliegt, erfährt erst später, was geschehen ist. Sie ist entsetzt und stammelt: "Tulettes! Tulettes!" – doch der Abbé Faujas nimmt ihre Hände, spricht ihr mit sanfter Stimme Trost zu und verspricht ihr Glück, wenn sie sich füge. Martha gibt nach, unterwirft sich willenlos und bittet nur noch um viel Glück – sie ist endgültig in der Hand des Priesters. Das Kapitel zeigt die vollendete Zerstörung Mourets: Er wird nicht nur aus seinem Haus vertrieben, sondern aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen – als "Narr" in eine Anstalt gesperrt, während seine Frau, die Faujas und die Trouches das Haus und sein Vermögen übernehmen. Der Abbé Faujas hat sein Ziel erreicht – er herrscht nun unumschränkt über das Haus in der Balande-Straße und über Martha.

Notizen

„Tulettes! Tulettes!“ – Martha

🔹 Schlüsselmotiv: Der endgültige Triumph der Intrige – der Unschuldige wird aus der Gesellschaft ausgestoßen 🔹 Symbol: Tulettes – das Irrenhaus als Endpunkt der Verleumdung und der symbolischen Vernichtung Mourets

Legitimität (von lateinisch legitimus = gesetzmäßig, rechtmäßig) bedeutet im politischen Sinne die Rechtmäßigkeit oder Gesetzmäßigkeit einer Herrschaft, einer Regierung oder einer politischen Ordnung. Im Frankreich des 19. Jahrhunderts bezeichnete der Begriff „die Legitimität“ (la Légitimité) jedoch oft eine spezifische politische Strömung: die Legitimisten, die Anhänger der älteren Linie des Hauses Bourbon, die König Karl X. (1824–1830) und seine Nachkommen als die einzig rechtmäßigen, legitimen Herrscher Frankreichs ansahen. Sie lehnten sowohl die Julimonarchie (das Haus Orléans) als auch die Kaiserreiche Napoleons ab. Politisch vertraten sie eine extreme konservative, royalistische Haltung, die sich gegen die Revolution von 1789 und ihre Folgen richtete. Im Roman heißt es: „So kam es, dass in Plassans zum ersten Male die Legitimität zu einem bonapartistischen Beamten ging.“ Gemeint ist, dass Herr Rastoil, ein Anhänger der Legitimisten, sich heimlich (in der Nacht) mit dem Unterpräfekten Péqueur des Saulaies, einem Anhänger des Kaiserreichs, trifft – ein Skandal in den politisch gespaltenen Kreisen von Plassans. Die Legitimität steht hier für eine politische Fraktion, die sich in einer Kleinstadt wie Plassans als moralisch und rechtlich überlegen betrachtet – aber in der Praxis bereit ist, mit ihren Gegnern zu paktieren, wenn es um Machterhalt oder Einfluss geht. Zola zeigt, wie die politischen Prinzipien des 19. Jahrhunderts in der Provinz zu bloßen Etiketten verkommen: Die Legitimität ist nicht mehr eine Frage der Überzeugung, sondern der taktischen Allianz.

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