👤 Die Sünde des Abbé Mouret · Personen
Die Pfarrei Artauds
Abbé Serge MouretPfarrer von Artauds
Der junge, fromme und gutmütige Pfarrer von Artauds, etwa 25 Jahre alt. Er ist tief religiös, lebt in völliger Abgeschiedenheit und hat sein Vermögen seinem älteren Bruder überlassen. Seine Frömmigkeit ist von einer leidenschaftlichen, fast sinnlichen Marienverehrung geprägt. Nach einem schweren Fieberanfall verliert er sein Gedächtnis und wird auf dem Anwesen Paradou von Albine gepflegt. Dort erwacht er zu einem neuen Leben – er wird zum Kind, das die Welt neu entdeckt, und schließlich zum Liebenden. Die Rückkehr seiner Erinnerung wird durch das Angelusläuten seiner Kirche ausgelöst, woraufhin er Albine verlässt und sein Amt wieder aufnimmt.
Die TeusinHaushälterin und
Kirchendienerin
Kirchendienerin
Die ältliche, nörgelnde, aber treue Haushälterin und Kirchendienerin. Sie ist eine praktische, derbe Frau, die den desolaten Zustand der Kirche und des Pfarrhauses beklagt und den Pfarrer mit mütterlicher Strenge überwacht. Sie versteht sich aufs Putzen, Waschen und Kochen – und aufs Schimpfen. Trotz ihrer Schrullen hat sie ein gutes Herz und sorgt sich um Mouret wie um ein Kind.
Desiderata MouretSchwester des Pfarrers
Die geistig kindlich gebliebene Schwester von Abbé Mouret, etwa 22 Jahre alt. Sie ist körperlich zu einer üppigen, schönen Frau herangewachsen, aber ihr Geist ist der eines zehnjährigen Kindes. Sie lebt in völliger Harmonie mit ihren Tieren (Hühnern, Kaninchen, einer Ziege und einem Schwein) und versteht ihre Sprache besser als die der Menschen. Sie ist unschuldig, aber von einer unbewussten Fruchtbarkeit umgeben, die den Priester beunruhigt.
Vinzenz BrichetMinistrant
Der junge Ministrant, ein rotzfrecher Lausbube, der bei der Messe assistiert. Er treibt sich lieber auf dem Friedhof herum, um Vogelnester zu plündern, als in der Schule zu sitzen. Er ist der jüngere Bruder von Fortunat Brichet.
Bruder ArchangiasLehrer und Frater
Ein fanatischer, grobschlächtiger Bruder der christlichen Schule, der als Dorfschullehrer in Artauds tätig ist. Er ist ein ehemaliger Bauer, der eine unnachgiebige, strafende Religion vertritt. Er verachtet die Dorfbewohner als „Teufelssame“ und hasst das Weibliche mit einer fast krankhaften Intensität. Er ist der Gegenspieler des sanften Abbé Mouret und warnt ihn vor der Marienandacht als „Gefühlsduselei“. Im entscheidenden Moment zerrt er Sergius aus dem Garten von Paradou und beschimpft Albine als "Dirne" und "Schlange".
Die Dorfbewohner von Artauds
Bambousse (Artaud)Bürgermeister
Der wohlhabendste Bauer des Dorfes, Bürgermeister von Artauds. Er ist rundköpfig, fett und schwitzend – ein ungläubiger, spöttischer Bauer, der seine Tochter nicht an einen armen Mann geben will. Er wirft ihr Erdklumpen nach, als sie bei den Verhandlungen lacht. Er sagt: „Wenn der liebe Gott Mörtel und Dachziegeln liefert, stellen wir die Maurer.“
Rosalie BambousseTochter des Bürgermeisters
Die 18-jährige, unverfrorene Tochter von Bambousse. Sie ist schwanger von Fortunat Brichet und zeigt sich keck und schamlos. Sie weigert sich, ihren Vater zu verlassen, und findet die ganze Aufregung um ihre Schwangerschaft eher lustig.
Fortunat BrichetJunger Bauer
Ein stattlicher, dreister junger Bauer, der Rosalie geschwängert hat und sie heiraten will. Seine Familie ist arm. Er nimmt die Sache lässig und sagt: „Sie wollte es ja gern. Gezwungen habe ich sie zu nichts.“
Mutter BrichetDie fromme Bäuerin
Die einzige Betschwester des Dorfes, die sich nach der Kommunion in der Pfarrei herumtreibt, um Brot und Geschenke zu ergattern. Sie klagt über ihr Elend und ihren Sohn Vinzenz.
Vater BrichetAlter, armer Bauer
Ein kleiner, altersdürrer und bescheidener Bauer, der seinen Sohn Fortunat verteidigt und sagt: „Die Kinder sind miteinander gegangen. Niemand kann dafür.“
KatharinaSchwester von Rosalie
Die 11-jährige Schwester von Rosalie, die noch schamloser zu werden verspricht als diese. Sie treibt sich mit Vinzenz herum und wird von Bruder Archangias bei den Ohren genommen.
Das Anwesen Paradou (Paradeis)
JeanbernatDer "Philosoph" von Paradou
Ein über 80-jähriger, verrunzelter Einsiedler, der den verwilderten Park von Paradou als Verwalter bewohnt. Er ist ein überzeugter Materialist und Atheist, der die Existenz Gottes leugnet und die Religion verachtet. Er hat sich in den Büchern der Aufklärung (Voltaire, Diderot) belesen und nennt alles „einen Witz“. Er lebt in völliger Abgeschiedenheit in einem Pavillon, pflegt seinen Gemüsegarten und hat seit zwölf Jahren keinen Fuß mehr in den Park gesetzt. Er ist der Onkel von Albine.
AlbineNichte des Jeanbernat
Die 16-jährige Nichte von Jeanbernat, die nach dem Selbstmord ihres Vaters bei ihm lebt. Sie ist ein wildes, unbekümmertes Naturkind, das den verwilderten Park von Paradou wie ihr persönliches Reich bewohnt. Sie trägt bunte, zerlumpte Kleider, Blumen im Haar und lacht unaufhörlich. In Sergius' Krankheit wird sie zu seiner Pflegerin, Mutter und schließlich Geliebten. Sie ist die Verkörperung der ungezähmten, triebhaften Natur – eine Art "Fee des Waldes". Nach Sergius' Fortgang durch die eingestürzte Mauer flieht sie verzweifelt in die Tiefen des Gartens.
Die Familie Rougon
Doktor Pascal RougonOnkel des Abbés
Ein Arzt und der Onkel von Abbé Mouret, etwa 50 Jahre alt. Er hat weiße Haare und einen weißen Bart und behandelt die Armen unentgeltlich. Er ist ein Wissenschaftler mit einem Hang zur Naturforschung und zur Beobachtung der menschlichen Natur. Er ist der einzige in der Familie, der den Priester ohne Vorurteile betrachtet. Er bringt Sergius heimlich nach Paradou und erzählt ihm auf der Fahrt die Geschichte des Anwesens und der schönen Dame – eine Erzählung, die Sergius später, als seine Erinnerung zurückkehrt, wiedererkennt.
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